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Gunilla Lundgren

Roma-Literatur in Schweden

In älteren schwedischen Büchern wurden Rom_nja mit vielen Vorurteilen dargestellt. Eine wichtige Veränderung kam 1963, als die Roma-Schriftstellerin und Aktivistin Katarina Taikon ihr erstes Buch »Zigenerska« [›Zigeunerin‹] veröffentlichte. In diesem Buch wird das Leben von Rom_nja in Schweden zum ersten Mal aus der Innenperspektive der Gruppe beschrieben. Später entschied sich Katarina Taikon, für Kinder zu schreiben, da sie meinte, dies sei der beste Weg, Vorurteile zu bekämpfen. 1969 erschien ihr erstes autobiografisches Buch über Katitzi, dem zwischen 1969 und 1980 dreizehn weitere folgten. Die Bücher waren sehr erfolgreich und werden immer noch in neuen Ausgaben gedruckt.

Björn Langhammer | Portrait of Katarina Taikon | Fotografie | Schweden | fil_00720 Rights held by: Björn Langhammer | Licensed by: Birgitta Langhammer — Anna Sigurðardóttir Langhammer | Licensed under: CC-BY-NC 4.0 International | Provided by: Birgitta Langhammer – Private Archive

Katarina Taikon (Katharina Taikon-Langhammer, 1932–1995) war eine schwedische Kaldaraš-Romni und Schwester der Silberschmiedin Rosa Taikon. …

Katarina Taikons Wichtigkeit kann nicht genug betont werden, obwohl es jetzt auch andere Roma-Autor_innen in Schweden gibt. Seit 2010 gibt es auch einen Roma-Verlag, den ERG-Förlag, in dem der Buchredakteur Fred Taikon Bücher über Roma-Themen veröffentlicht. In Schweden gibt es viele Roma-Autor_innen, die in verschiedenen Dialekten schreiben:

Monica Caldaras schrieb 1973 ihr erstes Buch »Jävla Zigenarunge« (›Verdammtes Zigeunerkind‹), eine Autobiografie. 1983 veröffentlichte sie »Zigenarmor berättar« (›Die Geschichten der Zigeunermutter‹), eine Sammlung traditioneller Roma-Erzählungen auf Schwedisch und in Romanes, geschrieben zusammen mit Dragan Caldaras, illustriert von Håkan Bull.

Ramona Taikon Melker produzierte 2010 in Zusammenarbeit mit der Fotografin Ann Eriksson »Marie-Claude – Jekh řomaní šej / Marie-Claude – en romsk tjej« (›Marie-Claude – ein Roma-Mädchen‹), ein Fotobuch in Romanes und auf Schwedisch. Im Jahr 2015 erschien ein zweites Buch mit dem Titel »Adrianas val« (›Adrianas Wahl‹), das von der Entwicklung eines jungen Roma-Mädchens vom Teenager zur Erwachsenen handelt.

Im Jahr 2004 veröffentlichte Armas Lind, ein finnischer Rom, der in Schweden lebt, seine Autobiografie »Caleb«.

Berith Kallanders »Min mor, fånge Z.-4517« (›Meine Mutter, Gefangene Z.- 4517‹) von 1996 ist die Geschichte über den Leidensweg ihrer Mutter während des Zweiten Weltkriegs.

2002 veröffentlichten Mikael Demetri und Angelina Dimiter Taikon »Pay źuvindó. Romané sityarimáta haj divánóri – Romska ordspråk och talesätt« (›Der Brunnen der Weisheit, Sprüche und Märchen der Roma‹).

Domino Kais »Maritza & Sebastian« von 2015 ist eine Geschichte über eine schwedisch-finnische Kalé-Roma-Familie. Es beinhaltet Texte in Kalé sowie in Finnisch und Schwedisch.

Im Jahr 2015 entstand aus der Zusammenarbeit von Domino Kai mit dem Fotografen Anders Ryman das Buch »Romska röster« (›Roma-Stimmen‹), in dem Rom_nja aus verschiedenen Gruppen in Schweden über ihr Leben und ihre Träume sprechen.

Hans Caldaras, ein berühmter Roma-Sänger, veröffentlichte 2002 seine Autobiografie »I betraktarens ögon« (›Im Auge des Betrachters‹). Es war ein unmittelbarer Erfolg und wurde 2015 erneut veröffentlicht.

Im Jahr 2013 wurde die preisgekrönte Geschichte »5768 visningar på YouTube« (›5768 Aufrufe bei YouTube‹) von Ralf Novák-Rosengren und Anita Santesson veröffentlicht. Es handelt von Rosita, einem jungen Mädchen aus einer Traveller-Familie, die davon träumt, Künstlerin zu werden.

Ein weiterer Traveller aus Schweden ist Bennie Åkerfeldt, Autor, Pädagoge und Geschichtenerzähler. Mit seiner Performance »Resandeblod« tourt er seit 2008 durch Schweden und Norwegen. Bis zum Jahr 2017 hat Åkerfeldt 16 Bücher verfasst, zum Beispiel »Romer i Europa« (›Rom_nja in Europa‹) im Jahr 2012 – alle wurden vom Verlag »Förlagstryckeriet Vitterleken« veröffentlicht.

»Badbomber och simhopp« (›Wasserbomben und Tauchen‹] von Marin Salto und Marcus Gunnar Pettersson ist eines von drei Büchern einer Kinderserie. Alle wurden auf Schwedisch, Arli, Kalé, Kalderaš, Lovari und in der Sprache der Traveller veröffentlicht.

»Vi läser om romer« (›Wir lesen über Rom_nja‹) ist ein illustriertes Fotobuch, in dem neun junge Rom_nja ihre älteren Verwandten interviewen. Das Buch erschien 2014 und enthält auch einen Abschnitt mit Fakten, mit parallelen Texten auf Schwedisch und in Romanes, der von Amanda Eriksson illustriert wurde.

Gunilla Lundgren hat bis 2017 – in Zusammenarbeit mit alten und jungen Rom_nja –15 Bücher geschrieben. »Utan hus utan grav – Bi kheresko bi limoresko« (›Ohne Heimat, ohne Grab‹) ist eine Sammlung von Roma-Gedichten und -Liedern in 22 Dialekten. Das Buch beinhaltet herausragende Fotografien von Josef Koudelka, Henri Cartier-Bresson und Jeremy Sutton sowie Bilder aus privaten Fotoalben.

»Svarta rosor – Kale Ruze, romsk litteratur, kultur och historia« (›Schwarze Rosen – Literatur, Kultur und Geschichte der Rom_nja‹) aus dem Jahr 2003 präsentiert zwölf Roma-Autor_innen aus Polen, Schweden, Finnland, Norwegen, Weißrussland, Mazedonien, der Slowakei, England, der Schweiz und Spanien. Die Texte sind auf Schwedisch und in den unterschiedlichen Sprachvarianten der Autor_innen verfasst.

Gunilla Lundgren wurde 1942 geboren und ist eine schwedische Schriftstellerin, die in den späten 1960er Jahren – zunächst in ihrer Eigenschaft …

2004 wurde das von Gunilla Lundgren und Sofia Taikon geschriebene Buch »Sofia Z-4515« veröffentlicht. Illustriert wurde es von Amanda Eriksson. Das Buch ist eine Graphic Novel für junge und alte Leser_innen, in der Sofia Taikons Lebensgeschichte erzählt wird. Es wurde 2006 mit dem renommierten »Künstler gegen Nazis«-Preis ausgezeichnet. Als Kind wurde Sofia Taikon nach Auschwitz deportiert; sie überlebte und gelangte mit einem Bus des Roten Kreuzes nach Schweden. Das Buch wurde auf Schwedisch geschrieben und in Romanes, ins Englische und Rumänische übersetzt. Es wurde mehrfach von verschiedenen Verlagen neu veröffentlicht.

Thom Lundbergs »För vad sorg och smärta« (›Für welche Traurigkeit, für welchen Schmerz‹) aus dem Jahr 2016 erlangte viel Aufmerksamkeit, da es in einer sowohl offenen als auch bedeutsamen Weise von »Fahrenden« erzählt.