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Norwegen und Tschechien: Yagori Festival, Goran Zoric und Khamoro Festival

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Finale 2011

Zoran Garić | Finale 2011 | Photographie | Norwegen | 2011 - 1. Dezember 2011 | dan_00187 Rights held by: Zoran Garić | Licensed under: CC-BY-NC-ND 4.0 International | Provided by: Zoran Garić – Private Archive | More at: www.fotoZ.no

Einführung

In Europa gibt es immer mehr Tanzfestivals, und einige große Städte organisieren inzwischen ihre eigenen Roma und Sinti-Festivals für Künstler_innen aus dem In- und Ausland. Auf solchen Tanzfestivals können Sinti und Roma-Künstler_innen ihr Können einem größeren Publikum präsentieren. Inzwischen treten dort auch viele Nicht-Rom_nja auf, die die Roma-Tänze erlernt haben. Wir möchten hier einige Festivals vorstellen, auf denen sowohl Roma- als auch Nicht-Roma-Künstler_innen zusammen auftreten, da dies heute der üblichen Praxis der Festival-Kurator_innen entspricht.

Yagori-Festival (Oslo, Norwegen)

Romantische Vorstellungen über Roma und Sinti werden im Musikbetrieb selbstverständlich nicht gern gesehen (Malvinni, 2004). Trotzdem gibt es noch Musikfestivals, die sich aus Vermarktungsgründen solcher stereotyper Vorstellungen und Symbole bedienen. Wir konzentrieren uns hier ohnehin auf Festivals, die entweder von Sinti und Roma organisiert werden oder bei denen der Großteil der Ausführenden aus Sinti und Roma besteht. Zu sehen sind Arbeiten des Fotografen Zoran Garic, dem offiziellen Fotografen des Osloer Yagori-Festivals, aber auch einige Fotos vom tschechischen Yagorio-Festival.

Das Yagori-Festival ist ein internationales Roma-Musik-Festival, das seit 1998 jährlich in Oslo stattfindet. Die Gründung des Festivals geht auf eine Initiative der berühmten Roma-Sängerin Raya und ihrer Familie zurück. Raya war Ensemblemitglied des Moskauer Romen-Theaters, als es in den späten 1950er Jahren durch die Sowjetunion tourte. Sie wurde festes Ensemblemitglied, zog nach Moskau und entwickelte sich zu einer Hauptattraktion des Romen-Theaters. Nachdem sie 1967 ihren Wohnsitz nach Norwegen verlegt hatte, begann ihre internationale Karriere. Sie nahm zahlreiche Alben auf und tourte mit großem Erfolg durch Europa, Amerika und Asien. Als einflussreiche Roma-Künstlerin setzte sie sich für die Menschenrechte und für die Urheberrechte der Rom_nja ein. Zur Würdigung ihres Engagements wurde sie ins Parlament der International Romani Union gewählt.

Zu ihren großen Verdiensten gehört die Gründung des Yagori-Festivals, das von Anfang an auf große Resonanz stieß und zu einem festen Bestandteil der Osloer Kulturszene wurde. Ziel des Festivals ist es, mithilfe der musikalischen und kulturellen Darbietungen von berühmten Roma-Künstler_innen nicht nur bei der Mehrheitsgesellschaft, sondern auch bei den Minderheiten im zunehmend multikulturellen Norwegen ein größeres Verständnis für die Rom_nja zu wecken und das Wissen über sie zu vermehren.

Raya bei der Darbietung von »Million Alyh Roz« beim 10. Jubiläum des Yagori-Festivals. Oslo, Norwegen (2008).

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Natasha Udovikova Bielenberg ist Rayas Tochter. Mit sieben Jahren hatte sie ihr aufsehenerregendes Debut im Moskauer Romen-Theater. In ihrer über fünfzigjährigen Tanzkarriere entwickelte Bielenberg einen eigenen Stil, bei dem sie männliche und weibliche Tänze und Gesten miteinander mischt. Sie war außerdem verantwortlich für das »Zigeuner-Element« in Madonnas Show »Sticky & Sweet Tour« in 2008/09. Zusammen mit ihrer Familie ist sie seit 1998 die treibende Kraft hinter dem Yagori-Festival. Sie setzt sie sich aber auch für das Erbe der Rom_nja auf und außerhalb der Bühne ein und besucht Schulen, um Kindern und Jugendlichen etwas über das Schicksal der Sinti und Roma während des Holocausts und über die Diskriminierung ihrer Gemeinschaft zu erzählen.

Natasha Udovikova Bielenberg tanzt beim Yagori-Festival. Oslo, Norwegen (2013).

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Zoran Garic gelang es auf seinen Fotos vom Yagori-Festival, Sinti und Roma-Tänzer_innen und -Musiker_innen aus allen Ecken Europas auf äußerst lebendige Weise festzuhalten. Garic wurde 1966 in Novi Travnik in Bosnien-Herzegowina geboren und begann 1987 während eines Journalistik-Studiums leidenschaftlich mit dem Fotografieren. Raya und Natasha Udovikova Bielenberg lernte er 2008 kennen und bat die beiden zwei Jahre später, auf dem Yagori-Festival fotografieren zu dürfen. Seitdem arbeitet er mit den beiden zusammen und war auch 2018, beim zwanzigjährigen Jubiläum des Festivals, dabei.

Zlata Demetr tanzt auf dem Yagori-Festival, Oslo, Norwegen (2011).

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Abschlussvorstellung des Yagori-Festivals, Oslo, Norwegen (2010).

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Puerto-Flamenco-Abschlussvorstellung beim Yagori-Festival, Oslo, Norwegen (2011).

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Khamoro-Festival (Prag, Tschechien)

Khamoro (das Wort in Romanes für Sonne) ist das größte und berühmteste Roma-Festival der Welt. Das Festival wird seit 1999 von der NGO Slovo 21 in Prag in Tschechien organisiert. Hier spielen einzigartige Roma-Bands aus der ganzen Welt. Es werden aber auch Ausstellungen organisiert, Filme gezeigt und Tanzworkshops, Seminare und Konferenzen abgehalten. Insgesamt haben in den letzten Jahren 140.000 Menschen aus Tschechien und der ganzen Welt das Khamoro-Festival besucht. Die Grundlage des Festivals ist und bleibt die Musik der Roma und Sinti, ein wichtiger Teil unseres Weltkulturerbes.

Seit siebzehn Jahren versammeln sich jedes Jahr Ende Mai die besten Sinti und Roma-Künstler_innen in Prag. Aus dem Khamoro, am Anfang nur das Festival einer Minderheit, ist ein großes soziales Kulturevent geworden, das nicht nur von Roma und Sinti besucht wird. Heute sind sowohl die Künstler_innen als auch die Besucher_innen Menschen jeden Alters und jeder Nationalität.

Von Anfang an kamen die Besucher_innen aus Tschechien, den USA, Kanada und Südafrika. Über 160 professionelle Sinti und Roma-Bands aus mehr als 40 Ländern spielen auf den Konzertbühnen. Viele prominente tschechische Persönlichkeiten unterstützten das Khamoro-Festival, unter ihnen Václav Havel, Petr Pithart, Libuše Benešová oder Ramiro Cibrian.