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RomArchive Musik-Sektion: FAQs/Häufig gestellte Fragen

Frage: Wer entscheidet, was ins Archiv kommt?

Antwort: Ein Team von Expert_innen unter Leitung von Roma, Sinti und Cale (Gitanos) wählt allen Content des RomArchive aus beziehungsweise stimmt ihm zu. Die Hauptkuratorin für Musik ist die Romni Petra Gelbart, sie ist Musikwissenschaftlerin, Aktivistin, Pädagogin und Musikerin. Beiträge zur Sektion Musik stammen von Autor_innen, von denen einige Sinti und Roma sind, andere nicht; dazu gehören auch die Ko-Kuratorinnen Siv Lie und Carol Silverman.

F: Warum sind meine Lieblingsmusik beziehungsweise meine Lieblingsmusiker_innen nicht dabei?

A: Musik und Tanz werden häufig mit Sinti und Roma assoziiert, und es gibt zahllose Beispiele von Roma-Liedern im Internet. In der ersten Phase des Archivbereichs Musik des RomArchive wurden Materialien und Narrative, die nicht leicht öffentlich zugänglich sind, prioritär gesammelt. Die Kurator_innen wollen beeindruckende Beispiele für das Schaffen von Sinti und Roma sowie den Einfluss der Sinti und Roma auf die Mainstream-Kulturen präsentieren und gleichzeitig verbreitete Vorurteile in Frage stellen.

F: Was ist der Zweck der Sektion Musik des RomArchive?

A: Eine sorgfältig kuratierte und dennoch vielstimmige Sammlung kann Leser_innen eine komplexe Perspektive auf Sinti und Roma bieten – im Gegensatz zu der Art, wie Roma-Musiker_innen häufig auf Stereotype reduziert werden. Die Kuratorinnen möchten faszinierende Beispiele der Kreativität von Sinti und Roma vorstellen und ebenso deren Einfluss auf die Mainstream-Kultur verdeutlichen und bestimmte sich hartnäckig haltende Vorurteile hinterfragen. Die Sektion Musik privilegiert die Stimmen und Meinungen von Sinti und Roma.

F: Was kann ich dafür tun, dass ich selbst – oder andere Künstler_innen – in der Sektion Musik vorgestellt werde?

A: Die Kuratorinnen der Sektion Musik freuen sich über Vorschläge aus der Öffentlichkeit – bitte schreiben Sie uns indem Sie mit RomArchives Träger Kontakt aufnehmen. Wenn Sie die Aufnahme von bekannten Musiker_innen oder Bands vorschlagen, bedenken Sie bitte, dass wir möglicherweise auf Rechteinhaber_innen Rücksicht nehmen müssen. Wir interessieren uns vornehmlich für Komponist_innen und Musiker_innen, die sich durch herausragende künstlerische Qualität, Originalität beziehungsweise durch das Potenzial, eine zentrale Rolle in einer zum Nachdenken anregenden Sammlung zu spielen, auszeichnen. Da das RomArchive ein von Sinti und Roma geleitetes Projekt ist, wird Künstler_innen Vorrang eingeräumt, die mehrfach von Persönlichkeiten nominiert wurden, die Roma, Sinti oder Cale sind, und von deren Organisationen.

F: Wie wird »Roma-Musiker_innen« definiert, und warum werden sie nicht einfach Gypsies / »Zigeuner« genannt?

A: Die geschätzten 12 bis 20 Millionen Sinti und Roma weltweit haben nicht nur höchst vielfältige Kulturen, sondern auch sehr unterschiedliche Meinungen darüber, wie sie sich nennen. Viele Sinti und Roma betrachten Gypsy als abwertend und den Begriff »Gypsy« als irreführend, weil er sich aus der falschen Vorstellung ableitet, Sinti und Roma stammten aus Ägypten. Der Begriff »Gypsy« oder »Zigeuner« wird mit weitverbreiteten Vorstellungen assoziiert (wie Gesetzlosigkeit oder eine sorglose Existenz), die nichts mit tatsächlichen Roma-Communitys zu tun haben. Ein »zigeunerhafter, nomadischer Lebensstil« trifft schon seit Jahrzehnten nur noch auf Mitglieder bestimmter Teilgruppen zu, während die meisten Sinti, Roma und Cale (Gitanos) seit Jahrhunderten sesshaft sind. »Gypsy«, »Cigan«, »Zigeuner« und andere Exonyme sind problematische Begriffe, selbst wenn man viele Sinti und Roma findet, die diese Begriffe verwenden, um sich zu benennen.

Da ethnische Kategorien sozial konstruiert sind, gibt es keinen universellen Konsens darüber, wer zu Sinti und Roma gehört und wer nicht, obwohl nach allgemeinem Verständnis die Roma-Ethnizität und -Sprachen ihren Ursprung in Südasien haben. Weil Diskriminierung noch immer weitverbreitet ist, bezeichnen sich manche Roma-Musiker_innen selbst nicht als Sinti oder Roma. Umgekehrt gibt es manchmal Musiker_innen ohne eine maßgebliche Verbindung zum Erbe der Sinti und Roma, die von sich behaupten, Gypsies zu sein. Das RomArchive präsentiert Künstler_innen, die sich durchgängig als Roma, Sinti oder andere Gypsies bezeichnen und als solche auch von anderen Sinti und Roma wahrgenommen werden.

Siehe auch Romani Music Intro.

F: Was kann ich von der Sektion Musik des RomArchive in der Zukunft erwarten?

A: Neben der Erweiterung ihres aktuellen Bestands und ihrer Exponate plant die Sektion Musik, eine wachsende Zahl von Autor_innen, die Sinti oder Roma sind, für Beiträge zu gewinnen, die eine Vielfalt an musikalischem Ausdruck aus ihrer eigenen Perspektive darstellen.

Wenn Sie weitere Informationen wünschen, schreiben Sie uns bitte indem Sie Kontakt mit RomArchives Träger aufnehmen.