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Viola Parente-Čapkova

Kiba Lumberg: Kämpferin für Menschenrechte, Menschenwürde und Gleichberechtigung

Kiba (Kirsti Leila Annikki) Lumberg ist in Finnland nicht nur eine der bekanntesten und vielseitigsten Roma-Künstler_innen, sondern auch eine bekannte Aktivistin. Sie lebt in Helsinki. Ihre künstlerischen Arbeiten umfassen visuelle Arbeiten, Performances, Installationen und Videokunst; außerdem ist sie als Schriftstellerin und Zeichnerin von Comics tätig.

Lumberg wurde in Lappeenranta in eine Kaale-Familie geboren (Kaale nennen sich Rom_nja in Finnland). Mit dreizehn Jahren lief sie von zuhause weg, weil sie sich nicht dem Rollenmuster einer Romni unterordnen wollte. Viele ihrer Arbeiten sind von ihrer Kindheit und frühen Jugend inspiriert. Lumberg studierte Kunst, Design und Musik, nicht nur in Finnland, sondern auch im Ausland. In ihren Arbeiten kritisiert sie die direkte und indirekte Diskriminierung von Rom_nja in der finnischen Gesellschaft. In einer Haltung der »inneren Kritik« prangert sie die Praxis von Roma-Gemeinschaften an, unter dem Vorwand der Bewahrung von Roma-Traditionen Frauen zu unterdrücken und das Andere (wie LGBT) zu diskriminieren.

Kaarina Majander | Kiba Lumberg | Fotografie | Niederlande | 2011 | lit_00623 Rights held by: Kaarina Majander | Licensed by: Kaarina Majander | Licensed under: CC-BY-NC-ND 4.0 International | Provided by: Kaarina Majander – Private Archive

Lumbergs Arbeiten drehen sich im Grunde immer um die Themen der vielfachen Marginalisierung. Nachdem die Künstlerin für die Fernseh-Mini-Serie »Tumma ja hehkuva veri« (›Dunkles und glühendes Blut‹, 1997) ein Drehbuch geschrieben hatte – die Serie vertrat Finnland 1998 beim Prix Italia und wurde zu einem Theaterstück umgearbeitet – und einige Male im Fernsehen aufgetreten war, wurde sie von einigen Mitgliedern der finnischen Roma-Gemeinschaft heftig kritisiert und sogar bedroht.

Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts veröffentlichte sie einige halb-autobiografische Romane: »Musta perhonen« (›Schwarzer Schmetterling‹, 2004), »Repaleiset siivet« (›Zerrissene Flügel‹, 2006) und »Samettioyö« (›Die Samtnacht‹, 2008). Diese drei Romane wurden 2011 unter dem Titel »Memesa-trilogia« (›Memesa-Trilogie‹) in einem Band veröffentlicht. Die Romane folgen ihrer Heldin von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter und weisen Merkmale der typischen Mädchenliteratur auf, aber auch der Feministinnenprosa, oder genauer: des lesbisch/queeren Bildungsromans, des weiblichen Künstlerromans, der Autofiktion und der feministischen Ethnoautobiografie.

Lumberg veröffentlichte 2010 auch zwei Comicbücher: »Gipsy comix!« und »Hullun taiteilijan päiväkirja« (›Tagebuch der verrückten Künstlerin‹). Erschienen sind die beiden Bände in der Aurinkogalleria, Lumbergs eigener Kunstgalerie, die gleichzeitig Verlag und Treffpunkt ist, wo alternative Kunstformen diskutiert und gefördert werden. Außerdem drehte Lumberg Kunstvideos, unter anderem »Gräi-Hevonen« (›Pferd‹, 1990), und war verantwortlich für mehrere sozial engagierte Performances, hielt Kurse und Workshops ab, hatte einige Kunstausstellungen im In- und Ausland und fungierte als Kuratorin und Produzentin für Kunstevents wie zum Beispiel eine internationale Ausstellung der zeitgenössischen Kunst von Roma-Frauen. Erwähnenswert ist auch ihre Teilnahme am ersten Roma-Pavillon unter dem Titel »Paradise Lost« der Biennale di Venezia im Jahr 2007; vier Jahre später wurde sie auch für den dortigen Roma-Pavillon mit dem Thema »Call the Witness« eingeladen.

Lumberg verbindet stets Kunst und politischen Aktivismus und gründete in diesem Sinne nicht nur die Künstlergruppe »Tulikaste«, sondern kandidierte 2007 auch im Namen der Linken Allianz für die finnischen Parlamentswahlen. Als Künstlerin und Aktivistin verbindet sie ihren kritischen Blick für alle Gesellschaftsgruppen, mit ihrem Einsatz für Menschenrechte und Umweltschutz und engagiert sich für alle Themen der Gleichberechtigung und der sozialen Gerechtigkeit sowohl innerhalb als auch außerhalb ihrer eigenen Gemeinschaft.