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E rakli taj lako bornjuvo

Gusztáv Szendrei, Gusztáv Szendrei, Mozes F. Heinschink | E rakli taj lako bornjuvo | Oral Literature | Neustift bei Güssing | 1966 | lit_00001

Rights held by: Mozes F. Heinschink (recording) — Gusztáv Szendrei (work/performance) | Licensed by: Phonogrammarchiv – Austrian Academy of Sciences | Licensed under: Rights of Use | Provided by: Phonogrammarchiv – Austrian Academy of Sciences (Vienna/Austria) | Archived under: B 35684

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Gusztáv Szendrei, Gusztáv Szendrei, Mozes F. Heinschink | E rakli taj lako bornjuvo | Oral Literature | Neustift bei Güssing | 1966 | lit_00001
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Synopsis

Eine Mutter hinterlässt ihrer Tochter ein Kälbchen mit dem Auftrag, sich nie davon zu trennen. Nach ihrem Tod heiratet der Vater wieder und die Stiefmutter lässt das Mädchen hungern. Dieses führt aber täglich ihr Kalb auf die Weide, wo sie selbst ins Ohr des Kalbes eintritt und dort einen gedeckten Tisch vorfindet. Als die Stiefmutter dies herausfindet, befiehlt sie, das Kalb zu schlachten, doch dieses flieht mit dem Mädchen. Dreimal muss das Kalb gegen Widersacher kämpfen. Im dritten Kampf stirbt es und verwandelt sich in einen Baum. Das Mädchen soll nur denjenigen Brautwerber annehmen, der den Namen des Baumes errät.

Der Baum wächst, und das Mädchen muss zahllose Werber köpfen, die den Namen nicht erraten. Zuletzt erscheint ein alter Bettler, der den Namen nennen kann. Das Mädchen beweist vordergründig seine Treue zum Kalb und akzeptiert zunächst die abstoßende Gestalt des Bettlers als Brautwerber, lässt ihn aber in den Schweinestall werfen. Doch der Bettler verwandelt sich in einen jungen König und heiratet das Mädchen.

Petra Cech (2016)

Kontextualisierung

Das Märchen ist ein weit verbreitetes Zaubermärchen mit einem übernatürlichen, hilfreichen Tier; der Grundtypus ist im deutschen und englischen Sprachraum als ‚Der kleine rote Ochse‘ / »Little Red Ox« bzw. als »Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein« / »One eye, two-eyes, and three-eyes« (AaTh und ATU 511) bekannt.

Während das Motiv der ‚bösen Stiefmutter‘ alltägliche Probleme des Zusammenlebens thematisiert, sind Motive wie der dreifache Kampf gegen immer mächtigere Gegner oder die Rätselfrage für den Brautwerber charakteristische Elemente von Zaubermärchen. Desgleichen sind Transformation des getöteten Helden in einen Baum als Auferstehungsmagie und die Erlösung des in einer Tiergestalt gefangenen Helden (Kalb) durch die Treue eines Mädchens in Zaubermärchen sehr häufig und werden in vielen Varianten abgewandelt: in der vorliegenden Ausgestaltung mit einem retardierenden Moment, denn das Mädchen lässt den Brautwerber in Bettlergestalt zunächst den Schweinen vorwerfen, da sie ihn als abstoßend empfindet. Dennoch wird der Held erlöst, das Mädchen hat die Probe bestanden.

Die Speisung des Mädchens im Ohr des Kalbes ist ein Motiv, das auch aus Märchen aus dem zentralasiatischen Raum bekannt ist.

Auch Zahlenangaben sind Teil der magischen Grundstruktur: Der Untergang des Helden/Tieres im Kampf erfolgt in drei Stufen mit Steigerung der gegnerischen Bedrohung, die sich auch in der Art des Kampfplatzes abbildet: erst kupferne, dann silberne Brücke, zuletzt der tödliche Kampf an der goldenen Brücke. Der letzte, unüberwindbare Gegner ist zugleich das schmächtigste Tier – ein Hase. Hier baut der Erzähler eine eigenes, humorvolles Motiv ein: Das Tier verschmutzt mit seinen Fäkalien das Haus, was die Gelegenheit bietet, die Handlung mit einem kräftigen Fluch des Mädchens aufzulockern. Eine deftige Ausdrucksweise kommt in der Oraltradition von Sprechergruppen insbesondere aus dem südosteuropäischen Raum des Öfteren vor, wobei sie aber einen anderen Stellenwert als in Mitteleuropa innehat. Flüche und Kraftausdrücke in deren mündlicher Literatur sind Bestandteile kommunikativer und erzählerischer Strategien, und zwar ohne das Stigma moralischer Verwerflichkeit und ohne Konnotation hostiler Aggression innerhalb der Gemeinschaft. Beim Märchenerzählen, das ja keineswegs auf Kinder als Publikum beschränkt, sondern vielmehr Teil der allgemeinen Erzähltradition war, konnten daher auch »nicht-jugendfreie« Äußerungen getätigt werden. Die Freizügigkeit der Sprache ist darüber hinaus als Ausgleich für oft strenge soziale Regeln, die das Zusammenleben in einer Gruppe prägten, zu verstehen.

Zitierte und weiterführende Literatur

Aarne, Antti, Thompson, Stith. 1961. The Types of the Folktale. A Classification and Bibliography (= FF Communications LXXV), Helsinki: Suomalainen Tiedeakatemia.

Weiterführende Literatur / Further reading:
Mode, Heinz, Hübschmannová, Milena (Hg.). 1983–1985. Zigeunermärchen aus aller Welt. 4 Bände, Leipzig: Insel-Verlag.

Cech, Petra, Fennesz-Juhasz, Christiane, Halwachs, Dieter, Heinschink, Mozes F. (Hg.). 2001. Fern von uns im Traum. Märchen, Erzählungen und Lieder der Lovara / Te na dikhas sunende. Lovarenge paramiči, tertenetura taj gjila. Klagenfurt/Celovec: Drava.

Petra Cech (2016)

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Details

Publikation
1966
Autor_innen
Bibliographische Ebene
Oral Literature
Datensatztyp
single object
Objektnummer
lit_00001

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