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Jimmy Riviére

Jimmy Riviére | fil_00220_m1

Rights held by: Teddy Lussi-Modeste — Laurent Thurin-Nal | Licensed by: Kazak Productions | Licensed under: Rights of Use | Provided by: Kazak Productions (Paris/France)

Credits

Rights held by: Teddy Lussi-Modeste — Laurent Thurin-Nal | Licensed by: Kazak Productions | Licensed under: Rights of Use | Provided by: Kazak Productions (Paris/France)

Playlist

Jimmy Riviére
148 min
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Jimmy Riviére | fil_00220_m1
Rights held by: Teddy Lussi-Modeste — Laurent Thurin-Nal | Licensed by: Kazak Productions | Licensed under: Rights of Use | Provided by: Kazak Productions (Paris/France)

Synopsis

»Äußerst charakteristisch für diesen Teil der unterprivilegierten französischen Gesellschaft. Es ist meiner Meinung nach sehr richtig, Sinti und Roma in Bezug auf den Rest der Gesellschaft zu zeigen.«

Tamara Babun

Synopsis

Was könnte für einen jungen Filmemacher herausfordernder sein, als eine multikulturelle Gesellschaft zu repräsentieren, ohne die ganze Gemeinschaft auf ein paar stereotype Tropen zu reduzieren (zum Beispiel teuflische, romantische, exotische oder sexuelle)? Wie kann man zugleich kreativ genug sein, Charaktere (aus ethnischen, nationalen, regionalen, geschlechtlichen, religiösen oder klassenbasierten Gemeinschaften) darzustellen, die bereits in der realen Welt äußerst facettenreich sind? Um all dies zu erreichen, ist es sicher förderlich, wenn man als junger Filmemacher aus der Gemeinschaft kommt, die repräsentiert werden soll. Genau das ist bei Teddy Lussi-Modeste der Fall. In seinem ersten Spielfilm »Jimmy Rivière« gibt er einen Blick aus dem Inneren einer Gemeinschaft des »fahrenden Volks« (den französischen Sinti und Roma) aus dem ostfranzösischen Grenoble.

»Fahrendes Volk« (gens du voyage) ist im Französischen ein allgemeiner Ausdruck für Menschen, die gewohnheitsmäßig umherreisen. Auch die gitanes (französische Rom_nja) beziehungsweise Angehörige der Gemeinschaft der Manoushes) sind in dieser Kategorie enthalten. Im Film wird die simplifizierende Definition der gitanes als Teil des »fahrenden Volks« jedoch als weitaus komplizierter dargestellt. Dementsprechend sind die Schwierigkeiten der (Selbst-)Definition auch das Hauptthema in »Jimmy Rivière«. Demgemäß hat der Film auch eine komplexe Handlung und stellt auf realistische und zugleich verstörende Weise den Alltag einer französischen Roma-Religionsgemeinschaft dar. Ihr Leben ist durch antagonistische Kräfte belastet, die aus dem Innen und dem Außen auf ihre Gemeinschaft wirken.

Wer hat das Recht, die eigene Identität zu definieren oder zu kontrollieren? Hat die Mehrheitsgesellschaft dieses Recht oder die Gemeinschaft, der das Individuum angehört? Oder besitzen vielleicht die Individuen selbst dieses Recht? Der Film und sein Protagonist, Jimmy Rivière, versuchen verzweifelt, diese Fragen zu beantworten.

Die Komplikation des Films ergibt sich aus Jimmys Situation, die antagonistischen Kräften ausgesetzt ist: Er ist Mitglied einer Roma-Gemeinschaft eines »fahrenden Volks«, deren religiöse Grundwerte von der (baptistischen) Pfingstbewegung definiert werden. Um ein voll anerkanntes Mitglied der Gemeinschaft zu sein (und um sich taufen zu lassen), muss er seine »irdischen Leidenschaften« aufgeben, zum Beispiel sein Engagement beim Thaiboxen und seine romantische Beziehung zu Sonia, einem muslimischen Mädchen.

Jimmys Situation ist nicht einfach, denn sowohl seine religiöse Gemeinschaft als auch seine »irdischen Leidenschaften« wollen ihre Verbindung zu ihm aufrechterhalten. Folglich sieht er sich in ständigem Kampf mit der Außenwelt und mit sich selbst.

Darüber hinaus findet Jimmy, dass er in seinem Leben Christus nicht stark genug fühlt, obwohl er im Wald nach ihm sucht (der im Film der Topos Gottes ist, oder eher der Topos der Suche nach Gott) – und in der Bibel. Selbst die von José, dem Pastor der Gemeinde, vorgeschlagene Methode hilft nicht. Zweimal schlägt Jimmy zufällig die Bibel auf und stößt auf nichts als rätselhafte Sprüche, wie »Am Tag darauf sah er Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!« (Johannes 1,29), und »ihre Wohnstätte müsse verwüstet werden, und in ihren Zelten wohne niemand mehr!« (Psalm 69,25). Was passt zu Jimmy?

Die Identitätsdilemmata werden in »Jimmy Rivière« multipliziert, da es unmöglich erscheint, ein autonomes Individuum zu finden, das nur von sich selbst definiert wird. Das unterscheidet den Film »Jimmy Rivière« von der traditionellen Darstellung der Roma-Gemeinschaft im europäischen und internationalen Kino.

Jimmys Identität ist nicht ausschließlich eine »Gyppo-Identität« (wie er sie selbst nennt). Sie ist stattdessen eine vielschichtige Identität. Als Reisender lebt Jimmy tatsächlich in einem Lieferwagen, aber als er hart mit dem beleidigenden und rassistischen Stadtbeamten spricht (der in stereotypen Vorurteilen vom »fahrenden Volk« spricht und davon, dass »die Zigeuner zu reisen gewohnt« seien), beweist er, dass sowohl er als auch seine Gemeinde überdies eine Grenoble-Identität haben.

Er mischt Wörter aus Romanes in sein Sprechen (nachave, gadje, choukar), aber seine Muttersprache ist Französisch. Er ist Christ, der in ein muslimisches Mädchen verliebt ist. So kämpfen Jimmys persönliche Werte und Identitäten mit sich selbst – während des gesamten Films. Das Ergebnis dieses Kampfes ist eine hybride und multidimensionale Identität. Sie zu akzeptieren ist für alle Seiten schwierig.

Der Ratschlag »finde zuerst deine Identität« kann nicht erfüllt werden, außer wenn es sich um einen multiplizierte Identität handelt – oder, mit den Worten des Pastors, um eine »befleckte« Identität. Jimmy Rivière fühlt die Last dieser Hybridität, und »Jimmy Rivière« lädt die Betrachter_innen ein, ein wenig von seiner Last zu tragen. Auf diese Weise hat der hybride Weg der Repräsentation von Roma-Individuen (wie auch bei Árpád Bogdán in seinem Film »Happy New Life«, Ungarn, 2017) eine wichtige Funktion im Prozess der Anerkennung.

Anstelle von Gott findet Jimmy schließlich eine Sprache für sein Zeugnis, das vor der großen Versammlung der Pfingstgemeinde präsentiert werden soll. Obwohl den Zuschauer_innen der Inhalt des Zeugnisses unbekannt ist, führen uns am Ende des Films die Wolken, die sich in der Windschutzscheibe und über Jimmys Gesicht spiegeln, zu einem der beiden Sprüche aus der Bibel zurück.

Festivals und Preise

Prix du public au Festival Premier Plan d’ Angers 2011.

Referenzen

Chansel¸ Dominique: Roma on the Screen. The Roma on Europe’s cinema screens – images of freedom, Education of Roma children in Europe – Council of Europe, https://www.coe.int/t/dg4/education/roma/Source/Roma_screen_EN.pdf

Jimmy Rivière auf Wikipedia, https://en.wikipedia.org/wiki/Jimmy_Rivi%C3%A8re

Jimmy Rivière, http://rhone-alpes-cinema.fr/upload/documents/jimmyriviere-5.pdf

L’ Internationalisation des productions cinématographiques, Presses Univ. Septentrion, 26.08.2017.

Lussi-Modeste, Teddy on Wikipedia, https://fr.wikipedia.org/wiki/Teddy_Lussi-Modeste

Mauge, Sébastien: Lascar face, aVoir-aLire.com, 17.12.2013, https://www.avoir-alire.com/jimmy-riviere-la-critique

Payan, Mathieu: Et au milieu coule Jimmy Rivière, Abus de Ciné, 9.03.2011, http://www.abusdecine.com/critique/jimmy-riviere

Piazzi, Sabrina: Jimmy Rivière: le test complet du DVD, DVDFr.com, 13.04.2012, http://www.dvdfr.com/dvd/c55761-jimmy-riviere.html

For more critics see http://www.allocine.fr/film/fichefilm_gen_cfilm=173825.html

(2017)

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Jimmy Riviére
148 min
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Jimmy Riviére | fil_00220_m1
Rights held by: Teddy Lussi-Modeste — Laurent Thurin-Nal | Licensed by: Kazak Productions | Licensed under: Rights of Use | Provided by: Kazak Productions (Paris/France)

Details

Land
Produktion
2011
Credits
Mitwirkende
Typ
audiovisual
Kategorie
Fiction
Datensatztyp
single object
Objektnummer
fil_00220
Manifestationen
Objektnummer
fil_00220_m1
Typ
Internet
Medien
Objektnummer
fil_00220_m1_i1
Sprache
Farbe
Colour
Laufzeit
148 min.
Maße
6.2 MB
Audio
Stereo
Video
640 x 360 / H.264

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